“Not macht erfinderisch” – 200 Jahre Fahrrad

Verfasst am 13.01.2018 von luschnou

Am 12. Juni 1817 machte Karl Freiherr Drais von Sauerbronn die erste Probefahrt mit seinem Laufrad. Für die 14 km brauchte er eine knappe Stunde. Im Badwochenblatt erschien ein paar Wochen später folgender Bericht:

„Der Freyherr Karl von Drais, welcher nach glaubwürdigen Zeugnissen, Donnerstag den 12ten Juny d. J. mit der neuesten Gattung der von ihm erfundenen Fahrmaschinen ohne Pferd von Mannheim bis an das Schwetzinger Rebenhaus und wieder zurück, also 4 Poststunden Wegs in einer Stunde Zeit gefahren ist, hat mit der nemlichen Maschine den steilen, zwey Stunden betragenden Gebirgsweg von Gernsbach hieher in ungefähr einer Stunde zurückgelegt, und auch hier mehrere Kunstliebhaber von der großen Schnelligkeit dieser sehr interessanten Fahrmaschine überzeugt.“

Der deutsche Chronist Karl August Varnhagen war nicht überzeugt vom Wert der Erfindung. Für ihn war die Draisine , “ein Rädergestell, auf dem man zugleich saß und lief, ein zweckloses lächerliches Ding, das viel Gespött veranlasste.” Aber in Gebieten, die durch das “Jahr ohne Sommer” (Folgen des Tambora-Ausbruchs) in eine tiefe Krise gestürzt worden waren, machte die Erfindung einer pferdelosen Fahrmaschine durchaus Sinn, denn durch Kälte, Dauerregen, Seuchen und Überschwemmungen kam es zu akutem Futtermangel und einer starken Reduktion des Bestands an Vieh und Pferden.

Vor allem in England, wo sich Denis Johnson 1818 sein “pedestrian curricle” patentieren ließ, eine Weiterentwicklung von Drais’ Erfindung, wurde das neue Fortbewegungsmittel in der zeitgenössischen Karikatur thematisiert. Man nannte das Laufrad “velocipede”, “Hobby-horse”, “Dandy-horse”, “Pedestrian’s accelerator” oder “Swift walker”.

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Der britische Karikaturist George Cruikshank widmete sich in zahlreichen Illustrationen dem neuen Fortbewegungsmittel …

Erst 1866 ließ sich Pierre Lallement in den USA den Pedalantrieb patentieren, ein paar Jahre zuvor hatte auch Pierre Michaux in Frankreich einen Pedalantrieb für das Laufrad entwickelt. Damit war die Grundlage für die erfolgreichste Notlösung aller Zeiten geschaffen. Das Fahrrad ist heute erfolgreiche denn je und wird in der Mobilität der Zukunft noch eine deutlich größere Rolle spielen.

Hier noch ein lesenswerter Spiegelartikel zur Geschichte des Fahrrads. Wer sich für die Ursachen der Not von 1817 interessiert, sollte unbedingt das Buch von Wolfgang Behringer lesen: Tambora und das Jahr ohne Sommer.

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