»Go West« Sticker und Fußballer in Union City

Verfasst am 30.10.2012 von luschnou

Viele Auswanderer aus Lustenau und dem Rheindelta ließen sich in den 1920-er Jahren an der sogenannten Bergen Line, gegenüber von Manhattan nieder. Diese Gegend hatte sich seit dem Ende des 19. Jhdts zum Zentrum der amerikanischen Stickereiindustrie entwickelt: “The introduction of Schiffli lace machines in Hudson County made Union City the embroidery capital of the United States” (Wikipedia). Die günstige Verkehrslage und der harte Gesteinsuntergrund (ideal für die schweren Stickmaschinen) waren wichtige Gründe dafür. Hochburg der Stickerei war Union City und diese Stadt wurde auch zum Zentrum der Vorarlberger Zuwanderer. Es gab deutschsprachige Gasthäuser und Geschäfte, wie etwa das Gasthaus des Lustenauers Hilar Huber in Guttenberg, wo sich besonders Sportinteressierte trafen. In Hubers Lokal trafen sich 1928 auch fußballbegeisterte junge Lustenauer (alles ehemalige FCler), um einen eigenen Fußballclub zu gründen. Der Stickereibesitzer Ferdinand Bösch wurde der erste Präsident – er verfügte über das nötige Geld und gute Beziehungen. Es gelang dem “Präsi” auch in kürzester Zeit einen Sportplatz in Union City anzumieten.

Der FC Union City (verstärkt durch 2 Schweizer) war in der Region recht erfolgreich – und nach mehrfachen Erfolgen über den deutschen FC Hoboken – die klare Nr. 1 in Bergen County. 80 zahlende Gönner und jeweils 200 – 300 Zuschauer unterstützten den Verein, der sich in der International League of New York im Mittelfeld halten konnte und einmal sogar gegen den unumstrittenen Champion der Liga – den portugiesischen FC Newark – ein Unentschieden erreichte.

Mer muusand und mer dudland füör ’s Läobo geän …

Die Exil-Lustenauer waren nicht nur sport- sondern auch musikbegeistert. Bereits in den 20er Jahren wurde ein Gesangsverein gegründet, dem kurz darauf auf Initiative von Johann Bösch (”Schriibars Hannes”) die Zusammenstellung einer Blasmusikkapelle folgte. Sangesfreudig wie ihre Verwandten in der Heimat, pflegten sie sicher ihre Mundartlieder. Natürlich wurde untereinander auch Dialekt gesprochen, wobei die meisten Vorarlberger sich mit der Zeit eine Umgangssprache aneigneten, die von den Sprechern selbst als “Jersey-Deutsch” bezeichnet wurde und etwa folgendermaßen klang: “Muottr, duor mr s’Beiby mainda, i muoch in Stoor.” (Mutter, pass auf das Kind auf, ich muss einkaufen gehen.)

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Bergenline Avenue um 1900 und heute …

Hoboken4Hoboken3Hoboken2

Aktuelle Bilder aus der Gegend: Hurricane “Sandy” ging an der Gegend nicht spurlos vorüber.

Nicolas Bösch Oktober 30, 2012 um 10:04 pm

Sehr interessanter Bericht, vor allem weil ich als Luschnouar 2 Jahre lang bei Union City gewohnt habe und jetzt seit einem Jahr in Guttenberg. Schade das es das Lokal von Hilar Huber nicht mehr gibt! Allerdings bin ich Austrianer und kein FCler!

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