Schwingen bis zur Weißglut: »Schiiboschlacho«

Verfasst am 11.03.2017 von luschnou

Das Scheibenschlagen ist ein Brauch, bei welchem glühende Holzscheiben mit Hilfe von Stecken in den Nachthimmel geschleudert werden. Besonders verbreitet ist der Brauch in und um den südlichen Teil der Oberrheinischen Tiefebene (Schwarzwald, Breisgau, Baselbiet, Elsass) sowie in Vorarlberg, Teilen West- und Südtirols sowie im Bündner Oberland (Breil) und im Churer Rheintal (Untervaz). Der nördlichste Ort, an dem das Scheibenschlagen noch heute aktiv betrieben wird, ist der Kämpfelbacher Ortsteil Ersingen in Nordbaden.

Der Brauch wurde in Lustenau früher am zweiten Fastensonntag (Schiibosonnta) abehalten, vielerorts aber schon am ersten Fastensamstag oder Fastensonntag. Eine Ausnahme bildet Bernau im Schwarzwald, wo bis zu acht Scheibenfeuer die ganze Fasnachtswoche (außer Aschermittwoch) brennen. Im Elztal im Schwarzwald und angrenzenden Seitentälern findet das Scheibenschlagen traditionell am Sonntag „Lätare“ statt (4. Fastensonntag, Mitte der Fastenzeit).

Erstmals urkundlich bezeugt ist das Scheibenschlagen bereits im Jahr 1090. Durch eine geschlagene brennende Scheibe wurde am 21. März 1090 ein Nebengebäude des Klosters Lorsch in Brand gesetzt.

Im alemannischen Raum wird traditionell ein Bock aus einem Holzbrett verwendet und nennt sich „Scheibenbock“ oder “Scheibenstand”. Die Scheiben selber werden von Baumästen heruntergesägt und mittig gebohrt, damit sie zum Transport auf eine Schnur aufgereiht und auf den Scheibenstöcken platziert werden können. Die Scheibenstöcke (”Schiibosteäcko”) sind idealereise aus dickem “Wiid” (Weide).  Damit werden die Scheiben ins Feuer gesteckt bis sie glühend wird. Diese Glut wird vor dem Abschlag durch Schwingen des Stecken bis zur Weißglut gesteigert.

Hannes Grabher beschreibt das “Schiiboschlacho” in seinem Brauchtumbuch so:

“Jetzt springt einer zum nahen SCheibenstand. “Obacht! Flühind, bei Gott!” ruft er. Mächtig schwingt er seinen Stock noch drei-, viermal im Kreise, damit die Scheibe voll erglüht, schlägt dann von untenherauf an das schräggestellte Brett, so dass sich die Scheibe vom Stocke löst und in hohem Bogen durch das Dunkel der Nacht fährt. Mit einem lauten “Ohhh” zollen die Zuschauer dem Schläger Beifall … Unter der Schar der Schläger ist auch so manches Mädchen, das es den Buben gleichtut … “

Die Lustenauer Pfadis halten die Tradition hoch – heute Abend war es wieder so weit –  die glühenden Scheiben flogen in den Nachthimmel.  Vor 927 Jahren – am 21. März 1090 – wurde dieser Brauch zum ersten Mal dokumentiert – durch ein Malheur: durch eine geschlagene glühende Scheibe wurde am 21. März 1090 ein Nebengebäude des Klosters Lorsch (Benediktinerabtei in Südhessen) in Brand gesetzt.

Jedes Jahr laden die Pfadfinder Lustenau zum "Schiibo-Schlicho". Heuer erstmals auf den Hundianerplatz.

Einen Kommentar verfassen